Projekte | Erfassung der Groß-Branchiopoden
ProjekteErfassung der Groß-Branchiopoden |
|
Urzeitkrebse gesucht!
Erfassung der Groß-Branchiopoden - Machen sie mit
Der Schuppenschwanz Lepidurus apus ist vor allem ein Bewohner überschwemmter Auen (-wiesen)
Von Uwe Manzke
Im Frühjahr kann man sie finden, die Urzeitkrebse. Urzeitkrebse sind "lebende Fossilien" und leben bereits seit hunderten von millionen Jahren auf der Erde, sie sind älter als die Dinosaurier.
In Niedersachsen sind bisher sechs verschiedene Urzeitkrebsarten bekannt geworden. Vor allem die Frühjahrsformen Schuppenschwanz Lepidurus apus und Frühjahrs-Feenkrebs Eubranchipus grubii sind relativ leicht zu erfassen, vorausgesetzt man weiß wo und wie:
- Wo: in temporären Tümpeln der Überschwemmungsauen und in Waldtümpeln, gelegentlich auch in sommertrockenen Gräben
- Wie: Gummistiefel und ein Küchensieb reichen oft aus, auch nächtliches Ausleuchten der Tümpel mit einer Lampe ist erfolgversprechend.
Die häufigste Art Niedersachsens, gemessen an der Zahl der Fundnachweise, dürfte der Schuppenschwanz L. apus sein. Diese Frühjahrsform ist zum Beispiel entlang der Elbe, von der Landesgrenze bis zur Tideelbe bei Hamburg, und fast noch im gesamten Leinetal in der Region Hannover zu finden. An Aller und Weser gibt es kaum noch aktuelle Nachweise. Funde gelangen vor allem im Bereich der Leinemündung in die Aller und stromabwärts bis nach Rethem.
Der Frühjahrsfeenkrebs Eubranchipus grubii kommt auch in Wäldern vor
Der Frühjahrsfeenkrebs E. grubii ist hingegen nur von vergleichsweise wenigen Standorten bekannt. Viele weitere Nachweise sind bei gezielter Nachsuche zu erwarten. Auch diese Art ist entlang der größeren Flußläufe zu finden, scheint aber die höhergelegenen und gebüsch- oder baumumstandenen Bereiche zu bevorzugen. Ähnlich in der Erscheinungsform ist ein weiterer Feenkrebs Tanymastix stagnalis. Dieser Urzeitkrebs wurde in Niedersachsen bisher nur in qualmwasserbeeinflußten Auenbereichen im Einzugsgebiet der Elbe und Seege gefunden.
Zu den seltenen Arten gehören der Schildkrebs Triops cancriformis, der nur von weniger als zehn Standorten in Niedersachsen bekannt ist (war). Dieser Urzeitkrebs ist eine Sommerform und wird heutzutage vor allem auf Truppenübungsplätzen mit Einsatz von Kettenfahrzeugen gefunden. Der seltenste Urzeitkrebs Niedersachsens ist mit nur einem Nachweis aus dem 19. Jahrhundert der Sommer-Feenkrebs Branchipus schaefferi. B. schaefferi gilt in Niedersachsen als ausgestorben.
Als letzte Art ist der Salinenkrebs Artemia spec. zu nennen. Natürliche Vorkommen in Niedersachsen werden angezweifelt. Salinenkrebse wurden öfter von Aquarianern in salzigen Binnengewässern und Sickertümpeln von Kali-Abraumhalden angesiedelt. Aktuelle Vorkommen sind nicht bekannt.
- Kennen sie Vorkommen von Urzeitkrebsen in Niedersachsen?
- Nach wie vor gibt es große Wissenslücken zur Verbreitung der einzelnen Arten.
- Wir wollen die Lebensräume der Urzeitkrebse schützen.
- Teilen Sie uns Ihre Funde mit!
Mehr:
- Erfassung der Groß-Branchiopoden - Aufruf und Bitte zur Mitarbeit
- Artenportraits Urzeitkrebse - alle niedersächsischen Arten in Text und Bild
ProjekteErfassung der Groß-Branchiopoden |
|
Machen Sie mit!
Die Mehrzahl der "Groß-Branchiopoden" oder auch Urzeitkrebse lebt in temporären Gewässern. Diese Gewässer, auch Tümpel genannt, verschwinden zunehmends in unserer Landschaft. Vor allem besonnte Offenland-Tümpel auf Wiesen und Äckern werden immer seltener. Aber auch halbschattige bis schattige Wald- und Bruchtümpel wurden und werden immer noch mit Müll, Schnittgut und Bauschutt verfüllt.
Zu den Lebensräumen der Urzeitkrebse gehören vor allem die Fluß- und Stromtäler mit ihren Überflutungsauen. Durch Flußregulierungen, Hochwasserdeiche und einhergehende Meliorationen sind in den ehemaligen weiträumigen Auenlandschaften viele Kleingewässer, insbesondere Temporärgewässer und damit die Lebensräume der Urzeitkrebse vernichtet worden.
Hier lohnt die Suche nach Urzeitkrebsen:
Qualmtümpel an der Elbe mit Vorkommen von L. apus
Ehemalige Flachsrotte mit Vorkommen von E. grubii
Nach den Eindeichungen, in Niedersachsen vor allem entlang der Elbe, erfüllten die binnendeichs in unmittelbarer Deichnähe gelegenen Qualmwasser-Tümpel (Druckwasser-, Drängewassertümpel) ähnliche Lebensraumfunktionen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind allerdings durch erneute Deichbaumaßnahmen sehr viele dieser Gewässer verfüllt und überbaut worden. Aber auch die vordeichs gelegenen Flutrinnen und andere Überflutungstümpel sind als Lebensraum der Urzeitkrebse stark bedroht. So werden im Leinetal in der Region Hannover und im Landkreis Soltau-Fallingbostel zunehmend Grünländer in Ackerflächen (Maisäcker) umgebrochen.
In Niedersachsen sind vor allem das mittlere Elbetal, von der Landesgrenze bis Hamburg - inklusive der Nebenflüsse Jeetzel, Sude, Rögnitz und Krainke, das Leinetal von Laatzen bis zur Mündung in die Aller und das Allertal im Bereich der Einmündung der Leine abwärts bis Rethem für die landesweit bedeutenden Vorkommen von Lepidurus apus und Eubranchipus grubii sowie im Elbetal auch Tanymastix stagnalis bekannt.
Der Frühjahrs-Feenkrebs Eubranchipus grubii kommt auch außerhalb der eigentlichen Flußauen vor. Vor allem in Waldtümpeln und Gräben in Laub- und Mischwäldern ist die Art anzutreffen.
- Kennen sie Vorkommen von Urzeitkrebsen in Niedersachsen?
- Nach wie vor gibt es große Wissenslücken zur Verbreitung der einzelnen Arten.
- Wir wollen die Lebensräume der Urzeitkrebse schützen.
- Teilen Sie uns Ihre Funde mit!
Ansprechpartner: Urzeitkrebse
Uwe Manzke
E-Mail: laubfrosch-hannover(at)gmx.de
|
|
||
|---|---|---|
| Einleitung | ||
|
|
|
|
|
|
|
Limnadia lenticularis - 2010 gelang der Wiederfund in Niedersachsen. Die Publikation dazu finden Sie in der RANA 12, die Anfang März 2011 erschienen ist. |
|
Linkliste
-
Urzeitkrebse weltweit - Was Sie schon immer über Urzeitkrebse
wissen wollten, aber nie zu fragen wagten... (von Erich Eder, Österreich)
Aktuelle Literatur:
- RANA 10 MANZKE, U. & M. DANKELMANN (2009): Branchiopoden im Amt Neuhaus, Niedersachsen: Funde des Kiemenfußes Eubranchipus grubii (DYBOWSKI, 1860) und des Schuppenschwanzes Lepidurus apus (LINNÉ, 1758) in der Unteren Mittelelbeniederung. - RANA 10: 49-63.
-
Erstes Symposium der Großbranchiopoden in Deutschland
Abhandlungen und Berichte für Naturkunde Band 31 (2008)
Ein König sucht sein Reich
Krebse Niedersachsens
Die größeren Krebse Niedersachsens in Text und Bild
Groß-Branchiopoden,
"Urzeitkrebse"
- Einleitung
- Artemia spec.
- Branchipus schaefferi
- Eubranchipus grubii
- Tanymastix stagnalis
- Lepidurus apus
- Triops cancriformis
- Limnadia lenticularis













